Sie sind hier: Startseite Aktuelles „Ich werde alles versuchen und nicht aufhören, unser Gemeinwesen den Fesseln der Knechtschaft zu entreißen…“ (Cic. ad Brut. 25.9)

„Ich werde alles versuchen und nicht aufhören, unser Gemeinwesen den Fesseln der Knechtschaft zu entreißen…“ (Cic. ad Brut. 25.9)

Zum Geburtstag von Marcus Tullius Cicero

628px-M._Tullius_Cicero_IMG_2414_B1.jpgDieser Text wurde von Alexander Merbach im Rahmen seines Schülerpraktikums an der Abteilung für Alte Geschichte verfasst.

M. Tullius Cicero wurde am 03.01.106 v. Chr. in Arpinum als Sohn eines Ritters, also eines Mitglieds der mittleren Oberschicht, geboren. Er war sowohl politisch als auch juristisch tätig. Er durchlief die römische Karriereleiter (cursus honorum), fing also als Quästor in Sizilien an und erreichte schließlich das Konsulat, das höchste römische Amt in der Zeit der Republik. Er bezeichnete sich selbst als homo novus (neuer Mensch), was bedeutet, dass er als erster seiner Familie zum Konsul gewählt wurde. In dem folgenden Essay wird die Frage, über welche selbstverfassten Quellen wir bei Cicero verfügen, geklärt. Dabei wird vor allem auf die Briefe und Reden Ciceros eingegangen, nicht aber auf seine philosophischen und rhetorischen Werke.

Diese Briefe (epistulae) wurden posthum von seinem Sekretär Tiro zu vier Briefsammlungen zusammengefasst. Insgesamt sind 864 Briefe erhalten. Dazu gehören die epistulae ad Atticum (Briefe an Atticus). Darunter befinden sich jedoch nicht nur Briefe an diesen von Cicero, sondern auch von anderen, wie z.B. Pompeius. Die Briefe an Atticus (Ciceros besten Freund) bilden etwa die Hälfte aller überlieferten Briefe Ciceros aus der Zeit zwischen 68-44 v.Chr.

Die epistulae ad familiares (Briefe an die Freunde) sind zwischen 62-43 v.Chr. geschrieben worden. Wichtige Verfasser dieser Briefsammlung sind beispielsweise M. Cassius (Senator, Caesarmörder), M. Cato (Senator) und M. Lepidus (Senator). Viele Briefe sind auch an Ap. Claudius Pulcher oder Terentia (Ciceros Frau) gerichtet. Auch befinden sich viele von Cicero verfasste Empfehlungsschreiben in dieser Sammlung.

Die Briefsammlung epistulae ad Quintum fratrem (Briefe an den Bruder Quintus) entstand zwischen 60-54 v.Chr.

Die epistulae ad Marcum Brutum (Briefe an Marcus Brutus) sind 15 Briefe, die Cicero an M. Brutus von April bis Juli 43 v. Chr. schrieb. Es handelte sich um jenen Brutus, der 44 v.Chr. an der Ermordung Caesars beteiligt gewesen war. Darunter befinden sich aber auch Antwortbriefe von Brutus an Cicero und Atticus.

Durch die Briefe Ciceros, welche in der Renaissance immer häufiger gelesen wurden, begannen die Menschen, sich für Cicero selbst, also für seinen Charakter und seine Persönlichkeit zu interessieren, und nicht nur für seine Schriften. Das lag wohl daran, dass die Briefe nicht, wie das Briefwerk des jüngeren Plinius aus dem 1. Jh. n. Chr., nachbearbeitet worden waren. Außerdem waren diese Briefe u.a. für Freunde Ciceros bestimmt, weshalb er mitunter nicht so förmlich schrieb, wodurch sein Charakter besser zum Ausdruck kam.

Durch diese Briefe wissen wir außerordentlich viel über die Zeit der späten Republik Roms, da Cicero immer sehr ausführlich darüber berichtete und auch eine persönliche Note mit einbrachte.

Jedoch sind von Cicero nicht nur Briefe, sondern auch orationes (Reden), insgesamt 58 an der Zahl, erhalten. Da die Überlieferung anderer Redner sehr spärlich ist, fällt eine Einordnung der ciceronischen Reden aber schwer. Die meisten der Reden wurden vor Gericht im Rahmen seiner anwaltlichen Tätigkeit gehalten, beispielsweise gegen den korrupten Statthalter der Provinz Sizilien, Verres (orationes in Verrem). Laut Cicero haben die Bewohner Siziliens ihn, also ihren ehemaligen Quästor, angefleht, vor Gericht Verres anzuklagen, da dieser sie ausnütze und ihnen sogar ihre Tempelbilder gestohlen hätte. Nachdem Verres den Prozess verloren hatte, ging er nach Massilia ins Exil, wo er 43 v. Chr. im Zuge der Proskriptionen des zweiten Triumvirats, denen auch Cicero zum Opfer fiel, ermordet wurde.

Der von Cicero selbst erklärte Höhepunkt seiner politischen Karriere war die Aufdeckung der Verschwörung Catilinas, gegen den er auch vor dem Volk redete. Catilina hatte nach Cicero versucht, in den 60er Jahren des 1. Jh. v. Chr. die Macht in der Republik an sich zu reißen und Cicero zu ermorden, nachdem es ihm nicht auf legalem Wege gelungen war, Konsul zu werden. Doch Cicero hatte von der Verschwörung durch eine Geliebte eines der Anhänger Catilinas erfahren und warnte hochrangige Mitglieder des Senats vor deren geplanter Ermordung. Cicero plädierte allerdings für eine Verbannung statt einer Hinrichtung Catilinas, da davon auszugehen war, dass seine Helfer die Stadt mit Catilina verlassen würden, während sie bei einer Tötung weiterhin eine akute Gefahr für Rom dargestellt hätten. Als der Senat später durch Cicero erfuhr, dass Catilina eine Armee in Etrurien nördlich von Rom aufstellte, wurde er endgültig zum Staatsfeind erklärt. Er fiel in einer Schlacht bei Pistoria.

In den Schriften und Reden Ciceros kann man klar erkennen, dass er sich selbst im Dienste des Gemeinwesens sah, das Zitat in der Überschrift ist hier ein Beispiel. Nach der von ihm aufgedeckten Verschwörung Catilinas brüstete er sich mit der Aussage, Retter des Staates und der Republik zu sein. In seinen Briefen mit Brutus sieht man, dass er auch mit der Ermordung Caesars einverstanden gewesen war, da dieser, laut Cicero, die Alleinherrschaft angestrebt hatte. Er konnte jedoch nicht verhindern, dass die Republik durch einen Machtkampf zwischen M. Antonius und Octavian, dem späteren Augustus, auseinanderbrach. Cicero wurde bald politisch kaltgestellt, da er bis zuletzt an der Republik festhielt. In dieser Zeit politischer Inaktivität verfasste er besonders viele philosophische und rhetorische Texte. Während der Proskriptionen des zweiten Triumvirats (bestehend aus M. Antonius, Octavian und M. Lepidus) wurde er schließlich umgebracht. Wir können jedoch festhalten, dass er einer der bedeutendsten und begabtesten Redner seiner Zeit war. Von Cicero sind die meisten Schriften aller lateinischer Nichtchristen erhalten, und er wurde besonders in der Renaissance viel gelesen. Auch seine philosophischen und rhetorischen Werke wurden in dieser Zeit sehr geschätzt.

 

Literatur:

V. Binder, Cicero, Marcus Tullius, in: DNP Supp. 2 (2007), 148-175.

H.-O. Kröner, Marcus Tullius Cicero, in: Metzler Lexikon antiker Autoren (1997), 166-173

J. Leonhardt, II. Cicero als Redner und Schriftsteller, in: DNP 2 (1997), 1196-1202.

R. Nickel, Lexikon der antiken Literatur, Düsseldorf/Zürich 1999.

 

Quellen:

Marcus Tullius Cicero, Reden gegen Verres I. Lateinisch/Deutsch, hrsg./ übers. v. G. Krüger, Stuttgart 1987.

Marcus Tullius Cicero, Staatsreden. Erster Teil. Lateinisch/Deutsch, übers. v. H. Kasten (Schriften und Quellen der alten Welt, 26), Berlin 1969.

 

Bildbeschreibung & Lizenz: Büste Ciceros aus den Kapitolin. Museen (Rom), Foto von Freud [CC BY-SA 3.0 ], von Wikimedia Commons

 

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